Vor 50 Jahren wurde Hans Strothoff Jungschützenkönig der St. Hubertus Schützengilde Rietberg – dabei war weder der Königsschuss geplant noch war er zu diesem Zeitpunkt überhaupt Mitglied der Gilde. Was an einem Schützenfestsonntag eher beiläufig begann, wurde zum Start einer jahrzehntelangen Verbundenheit mit dem Rietberger Schützenwesen.
Es war der Schützenfestsonntag im Jahr 1976. Als Hans Strothoff am Festplatz ankam, war das Vogelschießen bereits in vollem Gange. Auf dem Weg zur Vogelstange traf er noch seinen Vater, der viele Jahre im Vorstand der Gilde aktiv war. Eher beiläufig erzählte Hans ihm, dass er vorhabe, den Vogel abzuschießen. „Es gab keine Einwände“, erinnert er sich heute schmunzelnd zurück.
So richtig geplant war der Königsschuss dennoch keineswegs. Es war sogar das erste Mal überhaupt, dass Hans Strothoff versuchte, den Vogel von der Stange zu holen. Zweimal musste er sich an diesem Sonntag lediglich in die lange Reihe der Schützen einordnen. Bewerber gab es genug, der Konkurrenzkampf um die Königswürde war groß. Doch dann fiel der entscheidende Schuss. Der Vogel stürzte und Hans Strothoff war Jungschützenkönig. „Ich hatte Glück“, sagt er heute über diesen besonderen Moment.
Als frisch gebackener Nachwuchs-Regent in den Verein eingetreten
Die Freude über den überraschenden Königstitel war groß. Familie, Freunde und Bekannte feierten kräftig mit und sorgten dafür, dass Hans sein Königsjahr in bester Erinnerung behielt. Erst als frischgebackener Jungschützenkönig trat er dann auch der Gilde bei. Aus einem spontanen Entschluss an der Vogelstange entwickelte sich damit eine Verbundenheit, die bis heute anhält. Zwar endete seine Regentschaft nach einem Jahr und die Königskette musste an den Nachfolger weitergegeben werden. Doch für Hans Strothoff war damit keineswegs Schluss. Im Gegenteil.

Die Verbindung zur Gilde blieb bestehen und sollte sich in den folgenden Jahren noch vertiefen. Nachdem 1998 seine Frau Margret Königin an der Seite von Franz-Josef Pollmeier geworden war, sprach ihn Oberst Helmut Kammermann an und fragte, ob er sich vorstellen könne, Offizier zu werden. Hans musste nicht lange überlegen. Er sagte Ja. Damit begann das nächste Kapitel seines Weges innerhalb der St. Hubertus Schützengilde. Aus dem zufälligen Jungschützenkönig wurde ein engagiertes Vereinsmitglied und schließlich ein Offizier, der der Gilde über viele Jahre die Treue hielt und als Fahnenträger bei kaum einer Veranstaltung gefehlt hat.
Hans lässt in der Familie den Frauen den Vortritt
Ambitionen auf die große Königswürde hatte er stattdessen nie. Schließlich, so erzählt er mit einem Augenzwinkern, seien bei den Strothoffs ohnehin vor allem die Frauen für die Königswürde zuständig: Mutter Käthe, die Schwestern Christa und Rita (in Westerwiehe), seine Frau Margret und Schwägerin Giesela trugen bereits die Krone. „Na gut, mein Bruder Dirk war auch König“, fügt Hans hinzu und lacht.
Fünf Jahrzehnte sind seit jenem Sonntag vergangen, an dem zwei Versuche ausreichten, um den Vogel von der Stange zu holen. Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Geschichten, die ein Schützenfest schreiben kann: Manchmal braucht es nur zwei Schüsse, um den Weg für die nächsten 50 Jahre vorzugeben.

